Freitag, 30 Jul 2010
 
 
Was wir meinen... PDF Drucken E-Mail

Die Vielfalt unserer Einwanderungsgesellschaft findet sich weder in der Berichterstattung noch in den Redaktionsräumen wieder. Jeder fünfte Einwohner im Land besitzt einen sogenannten Migrationshintergrund, aber nur jeder fünfzigste Journalist. Auch in den einschlägigen Ausbildungsgängen zum Journalismus sind Nachwuchskräfte mit Migrationshintergrund auffallend unterrepräsentiert. In den Medien fehlen oftmals Perspektiven von Migranten und hinreichende Kompetenz für die Darstellung gesellschaftlicher Vielfalt.

Uns geht es nicht um ein e beschönigende Berichterstattung, sondern um eine realistische, differenzierte und sorgfältig recherchierte Darstellung von Migranten in Deutschland. Viel zu häufig beherrschen Stereotypen die Berichterstattung. Der Gemüsehändler oder die Frau mit dem Kopftuch, die in fast jedem Fernsehbeitrag über Migration in Deutschland verwendet werden, sind Chiffren, die ein einseitiges und verzerrtes Bild abgeben.

Auch wenn viele von uns eine Kernkompetenz im Thema Migration haben, möchten wir nicht auf dieses Themengebiet reduziert werden. Viele von uns kämpfen in den Redaktionen dafür, die Themengebiete bearbeiten zu dürfen, in denen sie Spezialisten sind, wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Umwelt, Sport oder Wissenschaft.

Freien Journalisten fehlen oftmals Einblicke in Redaktionsabläufe, in den aktuellen Debattenstand zu verschiedenen Themen in den Redaktionen und vor allem geeignete Ansprechpartner, die in der Position sind, Texte und Themen anzukaufen. Oft stehen Freiberufler mit den Schwierigkeiten, Themen jenseits einer oberflächlichen Berichterstattung über Migration unterzubringen, alleine, und schreiben sie sich selbst zu. Tatsächlich liegt diesen Schwierigkeiten zumeist ein systematisches und strukturelles Defizit zugrunde – das mangelnde Interesse an einer differenzierten Berichterstattung über integrationspolitische Themen.In unserem Land treffen unterschiedliche Sprachen, Religionen, Traditionen, Kulturen und Temperamente aufeinander. Diese gesellschaftliche Realität muss sich stärker in unseren Medien widerspiegeln.

 

 

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